August 2015

In der Mitte des Monats August feiert die katholische Kirche das Fest der „leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel“. Manchmal ergibt sich, oft ohne Ankündigung, die Notwendigkeit, sich über die eigene Vorstellung zum „Himmel“ Rechenschaft abzulegen, sei es, dass man danach gefragt wird, sei es, dass ein Ereignis, z. B. der Tod eines geliebten Menschen, eine Antwort fordert.
Alfred Delp fand sich mit seinen Freunden in der Haft in Tegel unausweichlich mit dieser Thematik konfrontiert. In seinen Betrachtungen zum „Vater Unser“ finden sich die folgenden Gedanken:

„Die Welt des personalen Gottes ist der Himmel. Also das, was der Mensch als seines Lebens größte Beglückung und Erfüllung empfindet. Das ist nicht zuerst ein Raum oder eine Zeit oder ein `Aeon` usw. Das ist zuerst Gott und die erfahrene Begegnung mit ihm. Wer Gott erfährt, ist im Himmel. Die Erfahrung Gottes bricht unsere Grenzen und unsere Daseinsweise, wenn und wo sie uns jetzt schon geschenkt wird …“
„Der personale Gott ist der Gott des Lebens. Erst im Dialog mit ihm tritt der Mensch in seinen wirklichen Lebensraum ein. Hier lernt der Mensch die Grundwerte seines Wesens: Anbetung, Ehrfurcht, Liebe, Vertrauen. Alles im Leben, was unterhalb dieses Dialogs bleibt, es mag mit noch so viel Eifer und Ernst und Hingabe unternommen sein, bleibt unfertig, auf die Dauer unmenschlich. Die Anbetung der Weg des Menschen auch zu sich.“

(Ges. Schr. 4, S. 228)