Juni 2016

Alfred Delps Leben und Sterben im Licht der Marienfeste

Am frühen Nachmittag des 2. Februar 1945, vor 70 Jahren, beendete der in Mannheim geborene Jesuit Alfred Delp sein junges Leben am Galgen des Hinrichtungsschuppens der Haftanstalt Plötzensee. An diesem Tag feiert die Kirche das Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, früher meist als „Mariä Lichtmess“ bezeichnet. Es fällt auf, dass Marienfeste im Leben Delps eine wichtige Rolle spielen. Eine mit Delp befreundete Künstlerin, Ruth Kiener-Flamm, hat die Kuppelfenster der Gedenkkapelle in Lampertheim, Wohnort der Familie Delp, nach diesen Motiven gestaltet.

Delps Geburt am 15. September 1907 im Wöchnerinnenasyl Mannheim (C 7) fällt auf das Fest der Sieben Schmerzen Marias. Im Taufeintrag der „Oberen Pfarrei“ ist lediglich die Mutter genannt. Delps Eltern waren zur Zeit der Geburt nicht verheiratet. Die Zeugung des Kindes war Zeichen des Protestes gegen die, die diese Ehe zu verhindern trachteten: Beide Familien bekannten sich zu einem besonders strengen Flügel ihrer Konfession (mütterlicherseits: katholisch; väterlicherseits: prostestantisch). So steht dieses Leben – für beide, das Kind und seine Eltern – von Beginn an im Zeichen einer Liebe, die, folgerichtig gelebt, in heftige Konflikte führt. – Die Künstlerin stellt Jesu Lebensanfang auf den Hintergrund des herodianischen Kindermordes und feiert ihn als Alternative zu einer allein den Herrschenden dienenden Macht.

Am 15. August 1944, dem Fest der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel (sh. Fenster), erfährt eine Berliner Frauengruppe um Marianne Hapig und Dr. Marianne Pünder von der Gestapo-Haft Delps. Das Handeln der Frauen an den Gefangenen wird transparent auf Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Marias Aufnahme in die ewige Gemeinschaft mit ihm als Zukunft aller aufscheint.

8. Dezember 1944:Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Im Bund Neudeutschland wurde dieser Tag als „Bundesfest“ begangen. Eine Ansprache Delps zu diesem Fest beginnt als Lobpreis der „Immaculata“: „Das Wort meint mehr als die negative Feststellung, dass keine Spur von Makel dieser Frau nahen durfte. Das Wort sagt, dass da eine Welt für sich, eigener Ordnung und eigener Fülle vorhanden ist.“ In Maria zeigt sich die Schöpfung so, wie Gott sie von Anfang an gewollt hat. Sie ist die erste Frucht der in Christus geschenkten Erlösung, Hoffnung für alle. Ihre Antwort auf diese Erwählung: „Ancilla Domini: Dienstmagd des Herrn … Darin liegt das Geheimnis ihrer Bewährung und Treue, dass sie bereit und willig die langen Jahre hindurch die kleine, unbekannte Dienstmagd des Herrn war.“ Von daher kommt dem Fest für Delps persönlichen Lebensentwurf besondere Bedeutung zu: „Gottes Lastkarren zu ziehen“ – das ist auch die mit dem Ordensgelübde verbundene Berufung. Delp sah einen Fingerzeig Gottes darin, dass er in der Haft gerade am Fest der Immaculata vor seinem von der Ordensleitung beauftragten Freund und Mitbruder Franz von Tattenbach die endgültigen Gelübde ablegen durfte - Bestätigung seiner Berufung zum „Dienst an Gottes Lastkarren“. – Das Bild im Fenster deutet den Gestus der Gelübdeleistung an.

2. Februar 1945 – Fest der „Darstellung des Herrn“ („Mariae Lichtmess“). In einer Predigt zum Fest der Darstellung Jesu im Tempel vom 2. Februar 1941 verwies Delp auf den biblischen Hintergrund, einen archaischen Brauch in Israel: Loskauf der männlichen Erstgeburt, die eigentlich dem Tempeldienst geweiht sein sollte, durch ein Opfer. Dass dieser Loskauf keine Entlassung aus dem Dienst Jahwes ist, und dieser Dienst den Einsatz des ganzen Lebens fordern kann, bezeugen Delps Weg und Opfer, im Fenster der Kapelle angedeutet durch Weizenkörner: In die Erde gesenkt bringen sie sterbend reiche Frucht.